Letztes Update: 22. Juli 2022

Klimafreundliche Sanierung: Wissenswertes für private Vermieter

Der Klimawandel ist ein hochaktuelles Thema und die Reduzierung von klimaschädlichen CO2-Emissionen die wohl größte Herausforderung der kommenden Jahre. Die Immobilienwirtschaft spielt dabei eine zentrale Rolle. Fast ein Drittel der jährlichen Gesamtemissionen in Deutschland gehen direkt oder indirekt auf die Bereiche Wohnen und Bauen zurück. Die energetische Sanierung von Gebäuden ist deshalb von besonderer Bedeutung für das Erreichen der vereinbarten Ziele zur Begrenzung der globalen Erwärmung. Wie Vermieter ihren Beitrag dazu leisten können und welche Fördermöglichkeiten es für die klimafreundliche Sanierung gibt, erfahren Sie in folgendem Beitrag.

Klimafreundliche Sanierung

Steigende Heizkosten durch CO2-Steuer

Zum 01. Januar 2021 ist in Deutschland das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) in Kraft getreten. Damit verbunden ist auch eine CO2-Steuer. Diese auf Gas und Öl erhobene Abgabe steigt von 25 Euro im Jahr 2021 bis zum Jahr 2025 auf 55 Euro pro Tonne CO2 an. Das bedeutet, dass die Heizkosten weiter steigen und Wohnen teurer wird.

Bislang trägt der Mieter noch allein diese höheren Kosten. Ein Gesetz, das vorsah, den Vermieter zur Übernahme von 50 Prozent der steigenden Kosten zu verpflichten, wurde zunächst gestoppt. Für die Zukunft ist jedoch nicht auszuschließen, dass sich Vermieter an steigenden Heizungs- und Warmwasserkosten beteiligen müssen.

Kostenausgleich durch klimafreundliche Sanierung 

Mit einer energetischen Sanierung bestehender Bauten können die steigenden Preise aber ausgeglichen werden. Durch eine Dämmung der äußeren Hülle, den Einbau moderner Heiztechnik und andere Maßnahmen ist es möglich, den Energieverbrauch drastisch zu senken und so nicht nur die Umwelt, sondern langfristig auch die Geldbörse von Mietern und Vermietern zu entlasten.

Analyse des Ist-Zustands als Basis

Eine solche energetische Sanierung beginnt immer mit einer gründlichen Analyse des Ist-Zustandes. Dabei werden alle energetisch relevanten Komponenten des Gebäudes eingehend überprüft. Die Außenwände und das Dach werden ebenso auf Wärmeverluste überprüft wie Fenster und Türen.

Mithilfe einer Wärmekamera kann eindrucksvoll demonstriert werden, wo es Defizite gibt und an welchen Stellen das Optimierungspotenzial besonders hoch ist. Eine Dämmung der äußeren Hülle ist für die Reduzierung des Energieverbrauchs von entscheidender Bedeutung. Darüber hinaus gilt das Augenmerk auch der Heiztechnik.

Verbaute Heiztechnik muss berücksichtigt werden

Ältere Öl- oder Gasheizungen und Anlagen zur Warmwasserbereitung arbeiten oft mit einer niedrigen Effizienz. Mit modernen Systemen, die erneuerbare Energien, Pellets und Wärmepumpen zum Heizen nutzen, können der Wirkungsgrad und die Klimafreundlichkeit einer Heizung deutlich gesteigert werden. Auf Basis der bei der Bestandsaufnahme ermittelten Daten ist es möglich, ein individuelles Sanierungskonzept zu erarbeiten.

Wärmekamera zeigt Schwachstellen auf

Eine Wärmekamera kann Ihnen helfen zu zeigen, an welchen Stellen besonderer Handlungsbedarf besteht, um eine klimafreundliche Sanierung anzugehen.

Energieeinsparverordnung beachten

Bei der Ausarbeitung eines Sanierungskonzeptes spielt die Energieeinsparverordnung eine entscheidende Rolle. In diesem Regelwerk ist festgelegt, welche Minimalvoraussetzungen eine neue Komponente im Hinblick auf ihre energetische Wirkung erfüllen muss, um den gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen.

Förderungen haben Mindestvoraussetzungen

Nur wenn die neue Verglasung oder die Dachdämmung gewisse Standards aufweist, ist eine staatliche Förderung der Maßnahmen möglich. Da eine energetische Sanierung in der Regel mit hohen Kosten verbunden ist, die sich erst nach vielen Jahren bezahlt machen, lohnt es sich aber, über die heute geltenden Mindestvoraussetzungen hinaus zu denken.

Wer sich heute für eine Minimallösung entscheidet, ist damit unter Umständen nicht auf kommende strengere Vorgaben vorbereitet und muss dann schon in wenigen Jahren nachrüsten. Deshalb ist es ratsam, eine Sanierung so zu gestalten, dass sie zukunftssicher ist.

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Finanzielle Ressourcen gezielt einsetzen

Insbesondere wenn umfangreichere Maßnahmen zur Optimierung der CO2-Emissionen eines Gebäudes erforderlich sind, stehen nicht immer ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung, um alle Arbeiten gleichzeitig in Angriff zu nehmen.

In diesem Fall ist es hilfreich, mit der Unterstützung eines Experten einen Sanierungsfahrplan auszuarbeiten, der alle Maßnahmen erfasst und in eine ökonomisch sinnvolle und finanzierbare Reihenfolge bringt. Begonnen werden sollte immer mit den Maßnahmen, die den größten Einspareffekt bringen.

Klimafreundliche Effekte schnell erreichen

Spürbare Einspareffekte sind zum Teil schon mit relativ geringen Mitteln zu erreichen. So trägt etwa die Dämmung der Kellerdecke dazu bei, die Kälte aus den darüber liegenden Wohnräumen fernzuhalten und so den für die Beheizung notwendigen Energieaufwand zu reduzieren.

Einen besonders großen Einspareffekt hat die Dämmung der Fassade eines Mehrfamilienhauses. Je nach Größe des Hauses ist diese Maßnahme jedoch, ebenso wie die Dämmung des Dachs, über das bis zu 30 Prozent der Heizwärme verloren geht, mit erheblich höheren Kosten verbunden.

Auf Experten setzen

Wenn es um die klimafreundliche Sanierung geht, ist es ratsam, auf einen Experten zu setzen, der gemeinsam mit Ihnen einen Plan ausarbeitet, um die bestmöglichen Maßnahmen zu erarbeiten.

Zuschüsse und Kredite für die Finanzierung

Vermieter müssen die Kosten für eine energetische Sanierung jedoch nicht alleine stemmen. Die öffentliche Hand beteiligt sich mit großzügigen Zuschüssen, günstigen Krediten und anderen Hilfen an der Optimierung der Energiebilanz.

Von welchen Fördermöglichkeiten Sie als Vermieter profitieren können, ist abhängig von der Stadt, in der Ihre Immobilie steht. Neben dem Bund haben auch die Länder, einige Kreise und viele Kommunen eigene Förderprogramme aufgelegt.

Sanierungskonfigurator für ersten Überblick

Mithilfe des Sanierungskonfigurators des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie haben Sie die Möglichkeit, sich einen ersten Überblick über mögliche Subventionen für Ihre geplanten Maßnahmen zu verschaffen. Berücksichtigt werden hier die Fördermittel von Bund und Ländern. Ein erfahrener Energieberater aus Ihrer Region kann Sie darüber hinaus über die lokalen Möglichkeiten informieren.

Günstige Förderkredite und Zuschüsse für energetische Sanierungen stellt auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die KfW zur Verfügung. Eine Komplettsanierung auf dem höchsten Effizienzhaus-Niveau kann nach aktuellem Stand Ende 2021 mit einem Sanierungszuschuss von bis zu 75.000 Euro pro Wohneinheit gefördert werden.

Neben Kostenbeteiligungen an Maßnahmen zur innovativen Energiegewinnung mit Brennstoffzellen bietet die KfW auch Unterstützung in Form von günstigen Krediten für den Einbau von Anlagen zur Energiegewinnung mithilfe von

  • Sonne
  • Wasser
  • Wind
  • Biogas

und anderen erneuerbaren Energieträgern. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Angeboten, Bedingungen und Programmen finden Sie auf der Webseite der KfW.

Weitere Zuschussmöglichkeiten für klimafreundliche Sanierungen

Zuschüsse gibt es auch für Maßnahmen, die nicht direkt der energetischen Sanierung des Gebäudes zuzurechnen sind, sondern auf andere Weise zur Reduzierung der CO2-Emissionen beitragen. So wird zum Beispiel die Einrichtung eines Ladepunkts für E-Fahrzeuge derzeit mit 900 Euro bezuschusst.

Die Möglichkeit, ein Elektroauto zu Hause laden zu können, wird in Zukunft immer öfter gefragt sein. Durch Ladepunkte in der Tiefgarage kann die Attraktivität einer Mietwohnung nachhaltig gesteigert werden.

Vielfältige Fördermöglichkeiten

Neben einer KfW-Förderung können auch Förderungen von Bund und Ländern genutzt werden. Einen ersten Anhaltspunkt über die Höhe können Sie über den Sanierungskonfigurator erhalten. Auch die einzelnen Kreise und Kommunen können bei einer klimafreundlichen Sanierung für finanzielle Unterstützung sorgen.

Mieter rechtzeitig in das Projekt einbinden

Eine energetische Sanierung ist in der Regel mit einem hohen baulichen Aufwand verbunden. Da die Bauarbeiten vorübergehend eine Minderung der Wohnqualität bedeuten, müssen die Mieter rechtzeitig über die anstehenden Arbeiten und deren Auswirkungen informiert werden. Das Gesetz sieht hier eine Frist von drei Monaten vor.

Mieterhöhungen ankündigen

Außerdem müssen Sie als Vermieter Ihre Mieter über mögliche Mieterhöhungen oder eine Änderung bei der Betriebskostenabrechnung in Kenntnis setzen. Dabei ist zu beachten, dass pro Jahr maximal acht Prozent der Modernisierungskosten auf die Mieter umgelegt werden können.

Bei der Berechnung dürfen zudem nur solche Aufwendungen berücksichtigt werden, von denen der Mieter unmittelbar profitiert. Da eine rein energetische Sanierung am Ende niedrigere Nebenkosten bedeutet, ist ein Nutzen für den Mieter jedoch kaum zu bestreiten. Im Idealfall fällt nach einer Sanierung die Warmmiete trotz einer höheren Kaltmiete insgesamt niedriger aus.

Fazit

Die energetische Sanierung eines älteren Gebäudes ist für Vermieter nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes von besonderer Bedeutung. Neben dem Umweltaspekt spielen auch rein wirtschaftliche Aspekte eine wichtige Rolle.

Eine Immobilie, die mit einer guten Dämmung und einer modernen Heizung ausgestattet ist, punktet mit einem niedrigeren Energieverbrauch, der die kontinuierlich steigenden Kosten für fossile Energieträger ausgleichen kann. Da nicht auszuschließen ist, dass sich Vermieter in Zukunft an der steigenden CO2-Steuer auf Gas und Öl beteiligen müssen, kann in dieser Frage mit einer energetischen Sanierung vorgebeugt werden.

Bei der Finanzierung der notwendigen Maßnahmen helfen großzügige Förderprogramme der öffentlichen Hand. Der höhere Wert einer sanierten Immobilie und die größere Attraktivität der darin befindlichen Mietwohnungen machen es Ihnen als Vermieter auch aus ökonomischen Gründen leicht, Ihrer Verantwortung für kommende Generationen gerecht zu werden.

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