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CO2-Steuer: Das sollten private Vermieter zur Umlage wissen

Bei der Nutzung von fossilen Brennstoffen wie Heizöl oder Erdgas entstehen CO2-Emissionen, die in erheblichem Maße zum Klimawandel beitragen. Im Rahmen der Maßnahmen zur Eindämmung der Klimakrise wird in Deutschland seit dem 1. Januar 2021 eine Steuer auf CO2-Emissionen erhoben, die in den kommenden Jahren kontinuierlich steigen wird. Die Frage, wer diese Kosten, die das Wohnen teurer machen, tragen soll, wird äußerst kontrovers diskutiert. Eine Regelung, die vorsah, die Kosten zwischen Mietern und Vermietern aufzuteilen, ist jedoch Ende Juni 2021 zunächst einmal gescheitert. Was Sie jetzt zur Umlage der Kosten wissen sollten, wie die Heizkosten in Zukunft steigen werden und warum sich die Investition in Sanierungen lohnt, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Neue CO2-Preise seit Januar 2021

Mit dem Inkrafttreten des Brennstoffemissionshandelsgesetzes, kurz BEHG, fällt seit Anfang des Jahres 2021 pro Tonne CO2 eine Steuer von 25 Euro an. Bis 2025 steigt die Abgabe jährlich bis auf einen Betrag von 55 Euro an.

Für alle, die Öl oder Gas nutzen, um in ihrem Zuhause wohlige Wärme und warmes Wasser zu erzeugen, bedeutet dies eine zum Teil erhebliche Steigerung der Wohnnebenkosten. Insbesondere für Familien mit einem niedrigen Einkommen, die bereits jetzt den größten Teil ihrer Einkünfte für Miete und Nebenkosten aufwenden müssen, stellt diese zusätzliche Belastung ein Problem dar.

Keine Einigung bei Plänen zur Kostenteilung 

Um die sozialen Folgen der CO2-Steuer für die Betroffenen abzufedern, hatte sich die schwarz-rote Bundesregierung zunächst darauf geeinigt, dass ab Mitte 2021 die Mehrkosten je zur Hälfte auf Mieter und Vermieter aufgeteilt werden sollten.

Diese geplante Regelung scheiterte Ende Juni 2021 jedoch in letzter Minute am Widerstand von Abgeordneten der CDU und der CSU, die das Verursacherprinzip außer Kraft gesetzt sahen. So bleibt es zunächst einmal dabei, dass die Mehrkosten allein von den Mietern übernommen werden müssen.

Die CO2-Steuer kann in voller Höhe auf die Mieter umgelegt werden.

Neue Diskussion nach Wahl im September

Je nachdem wie die Mehrheitsverhältnisse im 20. Deutschen Bundestag, der im September 2021 gewählt wird, aussehen werden, dürfte diese Frage jedoch schon bald erneut diskutiert werden. Neben der SPD und einigen Oppositionsparteien vertreten auch zahlreiche Umweltschutzverbände die Auffassung, dass hier eine sozialverträgliche Lösung gefunden werden muss.

Auch wenn parallel zur Einführung der CO2-Bepreisung eine Erhöhung des Wohngeldes beschlossen wurde, mit der die Mehrbelastung finanzschwacher Mieter reduziert werden sollte, so reicht diese jedoch bei Weitem nicht aus, um die zusätzliche Belastung in voller Höhe auszugleichen.

Bundestagswahl kann entscheidend sein

Mit der Bundestagswahl im September könnte sich je nach Wahlergebnis eine neue Entscheidung ergeben, die die bisherige Regelung außer Kraft setzt. Als Vermieter sollten Sie daher darauf eingestellt sein, dass Sie nicht wie bisher die CO2-Steuer vollständig auf den Mieter umlegen können.

Verschiedene Modelle sind möglich

In der Diskussion sind verschiedene Modelle, bei denen unterschiedliche Faktoren berücksichtigt werden. Grundsätzlich gilt bei den Heizkosten das Verursacherprinzip. Wer seine Wohnung kontinuierlich auf 25 Grad aufheizt und, weil er Frischluft mag, auch noch die Fenster ständig auf Kipp stellt, kann von Ihnen als Vermieter nicht verlangen, dass Sie die Kosten für dieses klimaschädigende Verhalten übernehmen.

Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch zahlreiche Vermieter, die sich trotz großzügiger Subventionsprogramme beharrlich weigern, energetische Sanierungen vorzunehmen, durch die die CO2-Belastung sowie die dadurch entstehenden Kosten massiv gesenkt werden könnten.

Der eigentliche Sinn der CO2-Steuer ist es, Unternehmen dazu zu bewegen, in umweltfreundliche Technologien zu investieren und so die CO2-Emissionen zu senken.

Energetischer Zustand als Faktor

Kompromissvorschläge sehen deshalb vor, die Höhe der Beteiligung des Vermieters an der CO2-Steuer vom energetischen Zustand der Immobilie abhängig zu machen. Diese Regelung würde nicht nur für große Immobilienkonzerne gelten, sondern auch für Sie als Hausbesitzer, der nur eine oder wenige Wohnungen besitzt.

Mieter und Vermieter als Verursacher

In diesem Fall würden beide, der Mieter und Sie als Vermieter, als Verursacher betrachtet, da der Mieter keinen Einfluss auf den energetischen Zustand seiner Wohnung hat. Weigern Sie sich aber, Modernisierungsmaßnahmen vorzunehmen, durch die der Energieverbrauch nachhaltig gesenkt werden könnte, muss der Mieter trotz eines verantwortungsvollen Heizverhaltens die erhöhten Kosten tragen, die durch die Versäumnisse des Immobilienbesitzers entstehen.

Dies erscheint ebenso ungerecht wie Sie als Vermieter für das Heizverhalten Ihres Mieters verantwortlich zu machen. Auch aus diesem Grund wird von wichtigen Vertretern der Immobilienbranche ein differenziertes Modell unter Berücksichtigung des energetischen Zustands der Immobilie unterstützt.

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Belastung für Vermieter als Modernisierungsanreiz

Immobilienbesitzer, die bislang auf eine energetische Renovierung komplett verzichtet haben, könnten in Zukunft, wie in einigen Modellen vorgesehen, mit mehr als 50 Prozent der CO2-Steuer belastet werden. Dies könnte einen wichtigen Anreiz darstellen, jetzt entsprechende Modernisierungsmaßnahmen in Angriff zu nehmen. Der ursprüngliche Zweck der CO2-Abgabe wäre damit erreicht.

Regelungen nach Bundestagswahl sind noch unklar 

Welche konkreten Regelungen nach der Bundestagswahl in Kraft treten werden, ist derzeit nicht abzusehen. Als Vermieter sollten Sie aber nicht darauf vertrauen, dass die derzeit gültigen Vorschriften in dieser Form dauerhaft erhalten bleiben. Sich bereits heute Gedanken darüber zu machen, wie mögliche Änderungen des Status quo das eigene Investitionsverhalten beeinflussen könnten, ist deshalb keine ganz schlechte Idee.

Zukünftiger Heizkostenanstieg 

Bei der Überlegung hilft es, die voraussichtliche Entwicklung der Heizkosten in den kommenden Jahren zu betrachten. Auf diese Weise ist es möglich, einen Eindruck davon zu bekommen, mit welchen Mehrbelastungen Mieter, und bei einer möglichen Änderung der Gesetze auch Sie als Vermieter, in Zukunft zu rechnen haben.

Ein Immobilienportal hat anhand einer typischen 90 m² großen Wohnung und der Mitte 2021 gültigen Durchschnittspreise für Heizöl und Erdgas einmal errechnet, wie sich die CO2-Bepreisung in den nächsten Jahren auf die Heizkosten auswirkt. Demnach ist, je nachdem, ob Heizöl oder Erdgas verfeuert wird, in etwa mit folgenden Erhöhungen in Euro zu rechnen:

Jahr  Erdgas  Heizöl

2021    64           97

2022    74         116

2023    85         136

2024   117       174

2025   138       213

Daraus ergibt sich in den kommenden fünf Jahren eine Gesamtmehrbelastung von circa 478 Euro bei einer Erdgasheizung und 736 Euro, wenn Heizöl verfeuert wird.

Nach 2025 gilt nach bisherigen Planungen ein CO2-Preis, der sich in einem Korridor zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne bewegt. Das bedeutet, dass im günstigsten Fall ab 2026 mit jährlichen Mehrkosten auf dem Niveau von 2025 zu rechnen ist. Es dürfte jedoch davon auszugehen sein, dass die Belastungen weiter steigen werden.

Förderung für technologische Investitionen

Auch wenn Sie als Vermieter derzeit noch berechtigt sind, die vollen Kosten auf den Mieter umzulegen, kann es sich insbesondere aufgrund der vielfältigen Förderangebote lohnen, zeitnah energetische Modernisierungsmaßnahmen in Angriff zu nehmen.

Mit innovativen Technologien ist es nicht nur möglich, die CO2-Emissionen nachhaltig zu senken und einen Beitrag zur Vermeidung einer noch bedrohlicheren Klimakrise zu leisten, sondern auch, einer weiteren Erhöhung der Mietnebenkosten effektiv entgegenzuwirken. Auf diese Weise steigern Sie sowohl die Zufriedenheit Ihrer Mieter als auch die Attraktivität Ihres Objektes.

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Alternativen zu herkömmlich gewonnenem Erdgas 

Neben der Investition in verbrauchsreduzierende Maßnahmen kann unter bestimmten Voraussetzungen auch schon ein Wechsel des Gasanbieters dazu beitragen, der CO2-Steuer zu entkommen.

Biogas ist teurer, aber nachhaltiger 

Einige Versorger erzeugen Gas ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen. Da das sogenannte Biogas nur so viel CO2 freisetzt, wie der verwendete Rohstoff zuvor aufgenommen hat, ist Biogas klimaneutral und damit von der CO2-Abgabe ausgenommen.

Da Biogas in der Regel aber etwas teurer ist als herkömmlich gewonnenes Erdgas, fällt der zu erzielende Kostenvorteil jedoch recht überschaubar aus. Ziel muss es auch in diesem Fall sein, den Verbrauch nachhaltig und auf Dauer mit Hilfe geeigneter Modernisierungsmaßnahmen zu senken und so dem Klimawandel entgegenzuwirken. 

Fazit

Zurzeit können Sie die Kosten der CO2-Steuer in voller Höhe auf Ihren Mieter umlegen. Wie lange diese Regelung noch gilt, kann jedoch von der Bundestagswahl im September abhängen.

Prinzipiell soll die Steuer jedoch als Anreiz gesehen werden, energetische Sanierungen vorzunehmen, um so die Heizkosten langfristig zu senken und gleichzeitig zum Klimaschutz beizutragen.

Für diese Sanierungen stehen Ihnen verschiedene Fördermöglichkeiten zur Verfügung, um die Ihnen entstehenden Kosten geringer zu halten. Die dadurch erreichte Verringerung der CO2-Emissionen in Zusammenspiel mit langfristiger Senkung der Nebenkosten und einer Wertsteigerung der Immobilie bringt Vorteile für Sie und Ihren Mieter mit sich.

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